schon seit über einem Jahr hinter Masken und aus Online-medien heraus. Ein Lächeln, das live und in Farbe dazu beiträgt, dass junge Menschen sich in unserer Nähe wohl und willkommen fühlen, ist heute viel zu selten direkt und f2f zu sehen. In den vielen Gesprächen, die wir mit unseren jungen justler*innen führen, tragen wir FFP2-Masken und achten auf die Einhaltung des Mindestabstands. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir einander in die Augen nicht aber ins Gesicht sehen können. Wir leben inzwischen alle damit, dass wir unser Gegenüber weniger lesen können, dass wir einen Großteil der Mimik unserer Gesprächspartner*innen nicht mehr wahrnehmen können. Was heißt das aber für Streetworker*innen und ihre Adressat*innen, wenn das, was wir miteinander tun: in allererster Linie KOMMUNIZIEREN: Kontakt anbieten, sprechen, zuhören, wahrnehmen, einschätzen, … nun noch zusätzlich erschwert und ausgebremst ist?

just tanzt…
Wir Streetworker*innen tun das, was wir gelernt haben – wir kommunzieren weiter! Wir versuchen unsere eigenen Hemmschwellen abzubauen und die neuen Rahmenbedingungen bestmöglich zu nutzen, in dem wir mit Maske und Distanz umgehen lernen. Und mit dem Frust, den dieses ständige neu einstellen, versuchen, scheitern und neu ausrichten, mit sich bringt. Wir tanzen manchmal einen ganz eigenartigen Eiertanz um unsere jungen justler*innen herum. Vorsichtig darauf bedacht, unsere gängigen Kommunikationsweisen zu hinterfragen und zu reflektieren, um sie manchmal auch neu umzusetzen. Für Menschen im Allgemeinen, besonders aber für alldiejenigen, die eingeschränkte oder anders gefilterte Sinneswahrnehmungen haben, sind das Zusatzanforderungen zu einem ohnehin (über)fordernden Alltag. Mit einiger Übung merken wir aber auch hier eine Verbesserung im Taktgefühl, im Bewegungsablauf. Wir haben Spaß am Kommunizieren mit unseren jeweiligen Partner*innen – manchmal geht‘s noch holprig, manches klappt wirklich gar nicht, aber irgendeinen Weg finden wir zumeist, wie wir uns zusammen durch‘s Gespräch tanzen können!

just sucht…
In diesem Prozess sind wir ständig auf der Suche: nach Adaptionen, Alternativen, neuen Ansätzen. Wir suchen seit über einem Jahr nach Möglichkeiten, den justler*innen weiterhin einfache Zugänge zu unseren Angeboten zu sichern, die Schwellen niedrig zu halten, obgleich die Anforderungen ständig wechseln und die Rahmenbedingungen enger sind als je zuvor. Die Schwellen in fast allen Alltagssituationen sind im letzten Jahr enorm gestiegen: Zugänge zu öffentlichen Gebäuden, Kontaktmöglichkeiten bei Behörden, Treffen im Privatbereich, Regeln im öffentlichen Raum, Eintrittstests, Abstand, Maskenpflicht… Immer Hände waschen, ständiges Tragen der Masken, Abstand einhalten, begrenzte Personenzahlen, Terminvereinbarungen, …auch in unserer Anlaufstelle gibt es so viele Regeln mehr!

just bietet…
Trotz dieser vielen Umstände, der steigenden Anforderungen, dem MEER an Regeln und Beschränkungen versuchen wir so gut es eben geht, OFFEN und NIEDERSCHWELLIG zu sein. Wir bitten um Terminvereinbarungen, sind aber auch offen, wenn jemand „vorbeischneit“ und zuvor kein Anliegen formulieren konnte. Und werden nicht müde, immer wieder zu betonen, dass mensch* auch ohne Auftrag/ Anliegen/ Thema zu uns kommen kann. Wir gehen im Stadtteil auf die jungen Menschen zu und bieten uns aktiv als Gesprächspartner*innen an. Wir hören zu und halten unsere Ohren offen, auch wenn der Corona-Frust recht präsent ist. Wir bieten an und machen möglich…

just lacht…
Wir halten unsere Tür zur Anlaufstelle geöffnet, um allen zu signalisieren, dass sie willkommen sind im just. Wir üben uns darin, Nähe zu ermöglichen trotz körperlicher Distanz. Manchmal ist der Schlüssel dazu einfach herzlich miteinander zu lachen. Ein lustiger Schmäh läuft trotz frustrierender Umstände im just! Das Entscheidende ist doch, dass wir im Kontakt und in Beziehung bleiben, dass wir einander vertrauen und uns die jungen justler*innen erreichen können, wenn sie uns am Dringensten brauchen. Wir justler*innen behalten unsere Prinzipien und unser LACHEN!

just lächelt…