Part V: Wohnungslosigkeit durch die rosa Brille betrachten?

Im Vorfeld zum jährlichen Weltmädchentag beschäftigen wir uns im just immer ganz speziell mit den jungen Frauen, den justlerINNEN!

Der Internationale Mädchentag ist ein von den Vereinten Nationen initiierter Aktionstag, um auf die weltweit vorhandenen Benachteiligungen von Mädchen und jungen Frauen hinzuweisen. Wir unterstützen die Forderung nach gleichen Rechten für Mädchen und gegen Unterdrückung und Diskriminierung! An diesem Tag bzw. in der Woche davor setzen wir Zeichen, in dem wir uns beteiligen am sodidarischen Prozess einer „Pinkifizierung“: im just wird alles pink!

Zusätzlich schauen wir genauer hin – nämlich ohne rosa Brille – aber auf die (jungen) Frauen, die prekär wohnen, die *ohnedachinlinz sind, die unerkannt und mit einem Lächeln im Gesicht Geschichten von 365-Nächten erzählen KÖNNTEN… meistens aber schweigen.

Wir haben mit diesen jungen Frauen im just und in der Linzer Innenstadt gesprochen: oft waren es persönliche Gespräche, manches Mal Wiederholungen von Erzählungen aus vergangenen Jahren, gelegentlich auch Chats und Sprachnachrichten, die wir wechselten. Wir sprachen besonders die Frauen an, weil sie zumeist eine Minderheit in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe sind und noch häufiger als Männer im Stillen ihre prekäre Wohnsituation erdulden.

Um nicht auf der Straße zu stehen oder in Obdachlosenasylen zu enden, um ihre Situation vor ihren Bekannten, ja oft der eigenen Familie zu verheimlichen, entwickeln sie vorübergehende, unauffällige Poblemlösungsstrategien. Dies ist ein mitverursachender Faktor dafür, dass Frauenwohnungslosigkeit so lange verdeckt bleibt und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Um frauenspezifische Hintergründe miteinzubeziehen, verstehen wir Wohnungslosigkeit in ihren manifesten und verdeckten Formen: Manifest wohnungslos sind jene Frauen, die als akut Wohnungslose vom Hilfesystem wahrgenommen werden (Frauen im Straßenmilieu, in der Obdachlosen- und Frauenhilfe). Verdeckte Wohnungslosigkeit beschreibt alle Formen von prekären Wohnverhältnissen, die (miet)rechtlich keine Absicherung bieten und mit denen sich Abhängigkeitsverhältnisse materieller und persönlicher Art verbinden. Als mögliche Formen verdeckter Wohnungslosigkeit wären zu nennen: Unterschlupf bei Bekannten, Arbeitgeberunterkünfte, Unterbringung in Institutionen, Wohnformen mit Beziehungsabhängigkeiten.“

Aus: Kurzfassung der Ergebnisse eines Forschungsprojekts des Wissenschaftsladen Linz von: Martina Planer, Barbara Weitzer, Christine Stelzer-Orthofer (https://arge-obdachlose.at/arge-sie/)

Ganz neidisch beschreiben die jungen Männer oft wie einfach es Frauen fällt zu einem warmen Bett für die Nacht oder einem Heim für einige Wochen zu kommen: „Frauen gehen halt fort und reißen sich einen auf!“ Was diese Buben und Männer oft nicht sehen:

Frauen erleben dabei häufig körperliche Grenzüberschreitungen, sexuelle Übergriffe und müssen für‘s Mitwohnen sexuelle Gefälligkeiten leisten. Sie machen gute Miene zum bösen Spiel, um die Nacht nicht draußen verbringen zu müssen. Sie geben sich auf, verstellen sich, begeben sich in Abhängigkeiten, sind Machtausübung ausgesetzt und erleben Gewalt. Manche werden immer wieder retraumatisiert. Sie halten still und halten aus.

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Geschichten aus 365-Nächten