#365nächte *ohnedachinlinz

ein Projekt aus dem just

im Herbst 2020

Hey! Kümmern sich Streetworker*innen nicht eigentlich

um Jugendliche, die auf der Straße leben?

Aber gibt‘s in Linz überhaupt junge Menschen, die OBDACHLOS sind?!

Erfahrungen aus dem just…

Viele junge Menschen, die wir im just kennenlernen, sind ohne eigenen festen Wohnsitz, also wohnungslos. Jetzt ist das zuerst einmal recht natürlich, weil wir ja grundsätzlich mit Jugendlichen und jungen Menschen zu tun haben, die vielfach noch vor der ersten Hausstandsgründung stehen – also noch gar nicht in einer eigenen Wohnung leben, sondern quasi alters- oder entwicklungsadäquat noch im Status des Mitwohnens stehen.

Manche der jungen Erwachsenen (ü18) waren oder sind bereits in einer eigenen Wohnung mit Mietvertrag, teilweise sind sie auch in WG‘s organisiert, vielleicht auch mit dem Freund/ der Freundin, oder leben bei anderen zur Untermiete. Mit geringem Einkommen steht der Erhalt der eigenen vier Wände häufig an der Kippe. Manche haben ihre Wohnung verloren, weil die Betreuung beendet wurde, das Einkommen aufgrund von Arbeitsplatzverlust plötzlich deutlich geringer ausfällt, ein langer stationärer Krankenhausaufenthalt/ eine Haftstrafe dazwischen kam.

Ein anderer Teil unserer jungen Menschen wohnt aktuell in Einrichtungen, wo sie entweder nur vorübergehend wohnen können oder schon länger unterstützt und begleitet werden. Einige wenige sind bereits seit Monaten oder Jahren auf der Reise und wohnen „draußen“ – sie sind tatsächlich obdachlos und suchen nachts Unterschlupf in Parks, unter Vordächern, Haltestellen, in leerstehenden Gebäuden. Sie sind ständigen Gefahren ausgesetzt, entdeckt und verjagt zu werden, bestohlen, verprügelt oder vergewaltigt zu werden.

Unsichtbare Wohnungslose

Wir im just stellen fest, dass oft von außen gar nicht sichtbar ist, wer von unseren Besucher*innen oder den jungen Menschen, die wir an öffentlichen Plätzen treffen, in prekären Wohnsituationen lebt – also tatsächlich wohnungs- oder obdachlos ist. Das Bild vom „schnorrenden“ Punk, der betrunkenen „Sandlerin“, den offensichtlich „Abgerissenen“ sind oft sehr präsent. In der Realität versuchen Jugendliche und junge Erwachsene möglichst lange nicht als „obdachlos“ identifiziert zu werden. Sie pflegen sich und kleiden sich altersadäquat – oft tauschen sie mit Gleichaltrigen Kleidung oder organisieren sich anderswo neue Klamotten. Sie verstecken, dass sie eigentlich schon lange keine Privatsphäre, keine Geborgenheit und keine sichere Umgebung mehr hatten. Bevor eine junge Frau, ein junger Mann zu uns in die Anlaufstelle kommt oder in der Jugendnotschlafstelle Ufo auftaucht, wurden schon viele Nächte durchgefeiert und viele Stunden nachts in der Bim Ringer‘l gefahren, um nur nicht aufzufallen. Viele junge Menschen in Linz sind zumindest zeitweilig ohne festen Wohnplatz. Sie sind bedürftig und brauchen Unterstützung und trauen sich oft wochen- oder monatelang nicht, jemanden zu erzählen, dass sie keinen Schlafplatz haben.

Wie unterstützt just wohnungslose Menschen?

Ankommen können ohne verurteilt zu werden, ist eines unserer wichtigsten ersten Angebote. Nachdem wir eine Anlaufstelle sind, die ganz ohne Vorleistung besucht werden kann, treffen sich bei uns viele Jugendliche und junge Erwachsene, die in ähnlich angespannten Situationen stecken. Im just findet sich immer ein Häferl Kaffee oder Tee, eine Kleinigkeit zu essen und offene Ohren für alle Anliegen – auch die, die wir nur zwischen den Zeilen herauslesen können.

Außerdem:

  • Im Kleiderfundus finden sich kostenfrei frische Kleider, Socken, Unterwäsche.

  • Schmutzige Kleidung kann bei uns gewaschen werden und nach dem Trockner gleich wieder mitgenommen werden.

  • Durchgefrorene können bei uns warm duschen, gegebenenfalls auch baden.

  • Zahnbürsten und andere Hygieneartikel haben wir vorrätig.

  • Internet und Telefon können bei uns genutzt werden.

  • Wir informieren über kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten, begleiten gerne auch in die Jugendnotschlafstelle Ufo oder in die NOWA.

  • Während das Ufo kostenfrei für junge Menschen ist, zahlt mensch* in der NOWA 4€/Nacht. Wir geben dafür Übernachtungs-Markerl aus.

  • Für alle, die geschlossene Räume und Einrichtungen lieber meiden (ja, das gibt‘s und hat zumeist tiefliegende psychische Ursachen) bieten wir Schlafsäcke und Isomatten an.

  • Besonders im Winter sind dabei auch ganz dicke Schlafsäcke, Decken oder auch warme Hosen und Jacken gefragt.